Wir spielen Fußball!

Ich kann mich noch gut an diese Aussage erinnern und treffe auch heute noch immer auf Eltern, die stolz sagen:

„Wir spielen Fußball!“

Natürlich weiß ich, dass sie nicht selbst auf dem Platz stehen und was dahinter steckt. Nur die Aussage an sich beinhaltet schon ausreichend Konfliktpotenzial. Um dem ein bisschen vorzubeugen, stelle ich in meinem Vortrag Fußball spielt mein Kind! Eltern gerne die nachfolgenden drei Fragen …

1. Wer zieht die Fußballschuhe an?

Eindeutig die Tochter und/oder der Sohn! Und das macht bereits deutlich, wer hier Fußball spielt. Dass, das ganze Mal schnell „verschwimmen“ kann, ist bei dem Aufwand, den Eltern betreiben, nicht verwunderlich. Denn die meisten Spieler*innen können ihren Sport ohne Unterstützung ihrer Eltern/Großeltern nicht ausüben. Durch die Ganztagsschulen bis oftmals 16.00 Uhr und Training ab 17.00 Uhr (je nach Alter früher oder später) ist es vielen nicht möglich, dass alleine zu wuppen. Dazu spielen die wenigsten im Verein um die Ecke, sodass lange Anfahrten zum Training hinzukommen.

2. Wer trainiert mehrmals in der Woche?

Viele Eltern identifizieren sich mit dem Sport ihrer Kinder. Ähnlich wie in der Schule sind sie „tolle“ und „gute“ Eltern, wenn ihre Kinder erfolgreich sind. Umso wichtiger ist es vielen Vätern und Müttern, dass ihre Kinder in leistungsstarken Vereinen und Mannschaften spielen, früh als Talent entdeckt werden und sie selber sich vielleicht einen alten Jugendtraum darüber erfüllen. Aber ist es auch das, was ihre Kinder wollen? Die vielen Jugendspieler, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, wollen erst einmal nur eins:

Spaß am Fußball und ihre Leidenschaft ausleben. Dieser Spaß sollte bei allem Leistungsgedanken zu keinem Zeitpunkt verloren gehen.

3. Wer steht am Wochenende seinen Mann/seine Frau auf dem Platz?

Gerade wenn es um den direkten Vergleich im Wettkampf geht, gibt es Eltern, die aufgeregter, ehrgeiziger und leistungsorientierter als ihre Kinder sind. Und das kann schnell dazu führen, dass sie alles dafür geben, dass eben diese Bedürfnisse befriedigt werden. Auch wenn das Wohl des Kindes immer im Vordergrund steht, Eltern das Beste wollen, kann hier die eigene Wahrnehmung den Fokus verrutschen lassen. Dann wird das Kind gepusht; die Qualitäten des Trainers infrage gestellt, sobald der Filius nicht aufgestellt ist; freundschaftliche Bande mit dem Trainer oder Jugendleiter geknüpft, in der Hoffnung, dass das eigene Kind zum Stammspieler wird; die Trikots für die nächste Saison gesponsert, um einen guten Eindruck zu hinterlassen …

Wer sich die drei Fragen ehrlich beantwortet, kommt schnell zu dem Schluss, dass der Fußball das Hobby unserer Kinder ist und wir Eltern NUR die Begleiter sind. Okay, wir investieren einiges in den Sport.

Dennoch sollten wir das nicht damit gleichsetzen, dass wir dadurch auch ein Anrecht auf ihn und damit auf unser Kind haben.

Wir sind da, wenn es gilt, die Tränen zu trocknen, zu motivieren, wenn es gerade nicht rund läuft, uns zu freuen, wenn unser Kind sich über ein gelungenes Spiel freut, uns aber auch abzugrenzen, wenn es traurig und enttäuscht über den Platz auf der Bank ist. Wir erlernen, Situationen auszuhalten, wenn ein paar Stolpersteine im Weg liegen und sollten das Vertrauen in unseren Nachwuchs haben, dass er/sie das schon alleine hinbekommt. Ohne unser Zutun. Denn eben diese Momente lassen unsere Kinder selbstbewusst und selbstständig werden und vor allem Erfahrungen sammeln, die man zum „Großwerden“ braucht.

Denn egal, ob man Fußball liebt oder ihm wenig abgewinnen kann, lässt sich über eins nicht streiten:

Das runde Leder vermittelt Kindern und Jugendlichen wichtige soziale Kompetenzen, die sie stärken und die sie in ihrem späteren Leben wunderbar einsetzen können.