Was Eltern wissen sollten, wenn Ihr Kind Fußball spielen will! 

Auf dem Barcamp von Die Sportpsychologen zum Thema Jugendfußball beklagen viele Trainer in den verschiedenen Sessions, aber auch in den zahlreichen Gesprächen die mangelnde Zuverlässigkeit der Eltern. Vor allem was Teilnahme an Training und Spiel angeht. Da für den Ballsport nicht nur die Spieler und Trainer wichtig sind, sondern auch die Eltern, will ich einen Einblick geben, warum Verbindlichkeit für alle Beteiligten wichtig ist und wie sie gelingen kann.

1. Der Trainer

Mehr als die Hälfte der Trainer arbeiten ehrenamtlich oder als Minijobber. Das bedeutet, neben ihrer Trainertätigkeit haben sie einen Fulltime-Job, absolvieren ein Studium oder eine Ausbildung, kümmern sich um ihre Familien, Eltern, Großeltern, etc.

Sie machen das mit viel Spaß und Leidenschaft, aber eben nebenher.

Das, was Eltern „sehen“, nämlich Training und am Wochenende Spiel, ist nicht alles, was zu einem Trainerjob gehört. Vor- und Nachbereitung von Training und Spiel, Saison- und Kaderplanung, Materialpflege, Spielerpass beantragen, Fortbildung sind nur einige Aufgaben. Wie umfassend ihre Arbeit sein kann, erfahrt ihr in meinem Blogartikel Was macht eigentlich ein Jugendfußballtrainer?

Trainer möchten, dass die Spieler regelmäßig zum Training kommen, denn sie bauen ihr Trainings- und Übungskonzept darauf auf. Planen sie beispielsweise mit 12 SpielerInnen und es kommen nur 9, ist das Training vermutlich in der geplanten Form nicht möglich. Ab und zu sicherlich kein Problem, auf Dauer nervend. Denn gleichzeitig haben sie das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht wichtig ist.

Und fehlende Wertschätzung ist etwas, was niemand von uns mag.

2. Der Spieler

Der Jugendfußball vermittelt den SpielerInnen viele soziale Kompetenzen, die auch für ihr Leben außerhalb des Sports wichtig sind. Gerade Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit sind zwei Dinge, die in unserer Gesellschaft nicht unbedingt auf der Liste der Tugenden ganz oben zu finden sind.

Für ein gutes Miteinander dennoch unerlässlich.

Gerade im Fußball, wo man nur als Mannschaft stark und erfolgreich sein kann, ist es wichtig, sich aufeinander verlassen zu können. Nicht nur auf dem Platz, sondern schon im Training. Kann das Team nicht so trainieren, wie geplant, weil SpielerInnen fehlen, hat das Auswirkungen: aufs Training, auf die fußballerische Ausbildung und vor allem auf die Stimmung in der Mannschaft. Die SpielerInnen, die immer da sind, sind genervt, wenn’s nicht so läuft, wie geplant. Die, die unregelmäßig kommen, werden häufig auch unregelmäßig eingesetzt – abhängig oftmals von Alter und Leistung.

Und ohne Spielzeit macht der Fußball keinen Spaß. Etwas, was bereits F-Jugend-Spieler wissen …

3. Die Eltern

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich damals oft dachte, wie schön es doch wäre, nach einem stressigen Arbeitstag, einfach die Füße hochlegen und nichts tun. Besonders an regnerischen Tagen oder im Winter. Doch da stand immer unser Sohn, der zum Training/Spiel wollte. Denn wir beide hatten eine Abmachung getroffen, als ich ihn in seinem ersten Verein anmeldete:

Er wird regelmäßig zum Training gehen, denn der Trainer und seine Mannschaft verlassen sich auf ihn.

Sollte er keine Lust mehr an dem Sport haben, kann er in der Winterpause oder zum Ende der Saison aufhören. Aber nicht mittendrin, von jetzt auf gleich.

Vielen Eltern ist oftmals nicht bewusst, was auf sie zukommt, wenn ihr Kind in einen Verein eintritt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir unseren Kindern einen großen Dienst erweisen, wenn wir sie zuverlässig und regelmäßig zum Training und Spiel fahren. Diese Eigenschaft, spielerisch im Rahmen ihres Hobbys erlernt, hilft ihnen in der Schule, in Freundschaften, in ihrem Studium/Ausbildung/Beruf …

Was ist also das Tool, was alle Drei zum Team werden lässt?

KOMMUNIKATION!

Der Trainer tut gut daran, beispielsweise im ersten Gespräch oder Elternabend diesen Punkt klar anzusprechen. Zu erklären, was es für ihn, aber auch für die SpielerInnen bedeutet, wenn es hier keine Verlässlichkeit gibt. Vor allem bei älteren Jahrgängen in denen es sportliche Ziele gibt, die erreicht werden wollen/sollen, hilft diese Klarheit und Offenheit allen Beteiligten.

Trainer wie Eltern sollten jungen Spielern erklären, dass sie erste Pflichten übernehmen, wenn sie einer Mannschaft beitreten. Klar, wird es auch mal den Geburtstag des Freundes oder der Oma geben, weshalb man nicht kann. Von Krankheiten ganz zu schweigen.

Dennoch ist es wichtig zu verdeutlichen, dass das Training unter der Woche ebenso zum Fußball gehört, wie das aufregende Spiel am Wochenende.

Viele Eltern – ich gehörte auch dazu – wissen wenig über Regeln und Pflichten, wenn ihr Kind in einen Verein eintritt. Hier möchte ich an Trainer wie auch Vereine appellieren, sie an die Hand zu nehmen, zu informieren, aufzuklären und nicht immer vorauszusetzen jeder müsse Ahnung vom Fußball haben.

NEIN! Dem ist nicht so.

Ein Handout, eine Seite für Eltern auf der Homepage, ein Elternbeauftragter in der Mannschaft, der sich um die „Neuen“ kümmert, etc. hilft viele Missverständnisse und Ansprüche im Vorfeld bereits zu klären. Wenn ich weiß, was auf mich zukommt, kann ich besser entscheiden, ob ich die Herausforderung, die der Sport meines Kindes mit sich bringt, annehmen möchte oder nicht.

Gleichzeitig sollten Eltern den Trainer darüber informieren, wieso ihr Kind häufig unregelmäßig oder unpünktlich zum Training erscheint. Denn hier gilt ebenso, dass der Trainer die Situation anders einschätzen und bewerten kann, wenn er sie kennt. Vielleicht lässt sich gemeinsam eine Lösung finden …