Im Gespräch mit Gerd Thomas

 

Mein heutiger Gast ist Gerd Thomas. Gerd ist 1. Vorsitzender des FC Internationale Berlin und nicht nur der Verein, sondern auch er ist extrem umtriebig im Amateurfußball, auch über die Grenzen Berlins hinaus.  

Wir haben uns während der Pandemie online kennengelernt und tauschen uns seitdem viel und regelmäßig aus. Uns verbindet, dass wir Dinge verändern wollen, Ressourcen bündeln und eigene Kompetenzen einbringen, um Amateurvereine in ihrer Arbeit zu unterstützen. Er vorrangig in seinem Verein, ich im Kinder- und Jugendfußball. 

Nun haben wir unser erstes gemeinsames Projekt, über das ich mich riesig freue. In diesem Blogartikel erfährst du, was sich dahinter verbirgt.

Gerd, wo siehst du Schwierigkeiten in der Vereinsarbeit und was sollte deiner Meinung nach getan und verändert werden?

Was ich erlebe ist, dass  wir doch immer noch sehr viele Vorstände haben, die leidenschaftlich für den Amateurfußball brennen und einfach das Beste machen möchten, was möglich ist. Allerdings werden die Bedingungen immer schwieriger. Gerade auf dem Land ist es häufig so, dass man keine Jugendteams mehr zusammenbekommt und Spielgemeinschaften eingehen muss, die in der Regel keine Liebesheiraten sind. Bei uns in den Großstädten ist es so, dass wir infrastrukturell katastrophale Zustände haben und so könnten wir noch viel mehr jammern. 

Ich möchte aber eigentlich, dass wir ins Tun kommen

Wenn über Amateurfußball gesprochen wird, fallen oft Schlagworte, wie Integration und Prävention. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass sich keiner Gedanken darüber macht, was sich wirklich dahinter verbirgt. 

Vorstände und Trainer*innen müssen gestärkt werden

Ich bin sicher, dass nur starke Vorstände in der Lage sind, eine vernünftige Präventionsarbeit zu leisten und in der Lage sind Trainer*innen die Werte zu vermitteln, die nötig sind, damit es auf dem Platz vernünftig zugeht. Wir können es nicht vermeiden, dass es Auseinandersetzungen geben wird, allerdings sollten wir daran arbeiten, die Vorstände und Trainer:innen zu stärken und Eltern nicht als Gegner oder Feinde zu betrachten, sondern schauen, wie wir sie in eine konstruktive Partnerschaft integrieren können.

Engagement erhält wenig Wertschätzung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Wertschätzung, das merke ich immer wieder! Wir haben beim FC Internationale fast 60 Teams im Spielbetrieb und bei fast jedem Team 2 Trainer:innen im Einsatz. Trotzdem ist auch bei uns inzwischen eine Selbstverständlichkeit eingekehrt, dass wir mit den Jugendmannschaften in den höchsten Berliner Ligen spielen, dass die Mannschaften gut betreut und die Ausstattungen gut sind. Was allerdings an Arbeit dahinter steckt und was die Trainer:innen und Mitglieder jeden Tag leisten, das geht leider total unter.  

Das ärgert mich sehr. Ich habe den Eindruck, dass viele Engagements viel zu wenig gewürdigt werden. Das ist für mich nicht damit getan, dass man einmal im Jahr zum Essen eingeladen wird und eine Urkunde oder eine Ehrenamts-Medaille überreicht bekommt. 

Und das ist etwas, woran wir arbeiten müssen! Denn machen wir uns nichts vor: Wir leben in einer Zeit, in der wir in vielen Teilen des Landes eine Vollbeschäftigung haben und Menschen viele Überstunden machen müssen, da es zu wenig Fachkräfte gibt und das wirkt sich natürlich negativ auf das Ehrenamt aus.

Es fehlt außerdem an Aufklärung: Viele Eltern glauben tatsächlich immer noch, dass die Jugendtrainer*innen viel Geld für ihre Arbeit bekommen.

Wir sollten die Mitgliedsbeiträge überdenken

Das Ehrenamt, wie wir es in den 80er und 90er Jahren schätzen gelernt haben,  funktioniert so nicht mehr. Wir müssen es auf andere Füße stellen und dürfen uns nicht davor scheuen, höhere Mitgliedsbeiträge zu nehmen und Menschen, die mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten, eine angemessene Vergütung zu zahlen!

Ich glaube, wir werden auch in den Vereinsvorständen lernen müssen, dass wir mit anderen Vereinen partnerschaftlich umgehen sollten. Natürlich ist es so, dass wir, wenn wir auf dem Platz stehen, gewinnen wollen. Aber ich glaube abseits des Fußballplatzes sollten wir Allianzen gründen, die es so noch nicht gibt oder eher selten gibt. Das heißt, es wird dazu kommen müssen, dass das Pass- und Meldewesen, die Mitgliederverwaltung, der Spielbetrieb für mehrere Vereine gemeinsam organisiert werden und Menschen für diese Arbeit bezahlt werden müssen. 

Solidarität untereinander sollte viel stärker herauskommen, das ist ein ganz wichtiges Ziel.

 

InsNetzgegangen_Jugendfußball_Onboarding©Canva

 

Um die Amateurvereine zu unterstützen, haben Gerd und ich ein Projekt zur Stärkung des Ehrenamtes ins Leben gerufen, das im Rahmen von drei Veranstaltungen in Berlin stattfinden wird.

Die drei zentralen Säulen des Projekts sind der Vorstand, die Trainer*innen und die Eltern. Es geht darum, die Teilhabe aller Beteiligten zu fördern, den Austausch zu intensivieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Ziel ist es, Impulse zu setzen und diese aktiv in den Verein zu integrieren. Das Projekt strebt eine ganzheitliche Stärkung der Vereinsstrukturen an, um das Ehrenamt nachhaltig zu fördern.

Alle Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Berliner Netzwerk Fußball und Gesellschaft, dem Berliner Fußball-Verband e.V. und dem Landessportbund Berlin statt. Vielen Dank für die Unterstützung!

Bist du jetzt neugierig geworden? Dann höre hier das komplette Interview: 

Wenn du in einem Berliner Fußballverein tätig bist und du dich für Vorstandsarbeit, Trainergewinnung und Elternarbeit interessierst, wissen möchtest, wie du das Engagement für das Ehrenamt in deinem Verein stärken kannst, dich mit anderen Kolleg*innen vernetzen möchtest, um Synergien zu schaffen, dich austauschen möchtest, dann komm gerne zu unseren Veranstaltungen.

Alle drei sind kostenfrei und finden in der Sportschule des Landessportbundes Berlin am Südkreuz statt. Wir starten mit der ersten Veranstaltung zum Thema Vorstand am 23.2.24, von 16.00-20.00 Uhr. Darin geht es u. a. um die Frage Ehrenamt am Ende? Wie Vorstände das ändern können und wir beschäftigen uns in den verschiedenen Workshops mit den Themen Ehrenamtsgewinnung, Finanzierung & Kooperationen und Nachfolge & Vielfalt.

Ich verspreche dir, du wirst nach dem Nachmittag einige Impulse mitnehmen, die du direkt in deiner Arbeit umsetzen kannst. 

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