„Wenn man diese Lebenserfahrung noch nicht hat, sollte man auch nicht so tun, als hätte man sie!“

 

In meiner aktuellen Podcast-Episode spreche ich mit Anton Schumacher, pädagogischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Leiter des Internats von Eintracht Frankfurt über Perspektiv- und Übernahmegespräche. In der letzten Folge hatten wir die Sichtweise der Eltern eingenommen, heute geht es um die der Trainer*in.


Möchtest Du lieber hören? Dann ist hier die dazugehörige Podcast-Episode für Dich.


Wir verraten Dir, wie Du Dich als Trainer*in auf diese Gespräche vorbereiten kannst, wo Du Dir als junger und unerfahrener Trainer*in Unterstützung holen kannst und dass schriftliche Beurteilung auch ihr Gutes haben. Und Anton berichtet aus seiner Zeit als Co- und Cheftrainer und wie hilfreich Klarheit und Struktur in der Elternarbeit sind.

In diesem Artikel habe ich Dir zehn interessante und informative Aussagen von Anton aus unserem einstündigen Gespräch zusammengefasst.

1. Es geht hier um Fußball. Ich kann mich nicht um alles kümmern. Der Ruf nach mehr Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit besteht auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist es doch noch gang und gäbe, dass den Jungs viel abgenommen wird. Und ich glaube, da hat Fußball-Jugend-Deutschland aktuell ein Kursproblem.

2. In unseren Fortbildungen für neue Trainer ist ein Thema Nähe und Distanz, Kapazitäten, Mitverantwortung. Und das MIT ist unterstrichen, damit aus der Mitverantwortung nicht die Alleinverantwortung wird.

3. Ich finde es mehr als problematisch, wenn man die Eltern bevormundet. Wenn wir sagen, wir regeln alles, wir machen alles … Nein … Die Eltern sind immer noch diejenigen die ihren Sohn am besten kennen.

4. Auch zum Wohle der Junge übernehmen wir nicht die Rolle der Eltern. Unterstützend zur Seite stehen, sehr gerne. Auch aus einer Überzeugung heraus, aber nicht die alleinige Verantwortung übernehmen. Wohlwissend, dass es sich ja auch immer um einen begrenzten Zeitraum handelt.

5. Umso schlechter es läuft bei dem jeweiligen Spieler, umso besser bereitet man sich vor. Weil man sich ein stückweit auch auf unangenehme Fragen einstellt, Szenarien durchspielt, was könnten die Eltern jetzt an meiner Arbeit zu kritisieren haben oder welche Themen kommen da auf den Tisch.

6. Das größte Thema ist meistens das Thema Spielzeit … Und da war ich schon immer sehr darum bemüht, das Thema zu versachlichen … Das ist wie bei der Temperatur, die gefühlte und die tatsächliche, wenn man die Spielzeit schwarz auf weiß widerlegen kann … Sich da mit Zahlen gut vorbereiten, um eine Sachlichkeit reinzubekommen …

7. Eine Art Infoabend oder Elternabend oder wie auch immer man das nennen möchte, ist obligatorisch und da kann man organisatorische Dinge besprechen und dazu gehört natürlich auch ein grober Rahmenterminkalender und da kann man eben genau das (Zeitpunkt der Gespräche) ankündigen … Ich will mit ihren Jungs arbeiten, sie weiterentwickeln … Und das geht nur, wenn wir eine gewisse Ruhe haben, wenn wir miteinander arbeiten, Spaß haben, und das geht nicht, wenn ich alle 2 Wochen eine Wasserstandsmeldung abgeben soll.

8. Ein Tipp an junge Trainer … Zum einen nicht so zu tun, als würde man den Mittvierzigern das Leben erklären können mit Anfang 20, auf der anderen Seite das aber genau auch zum Anlass zu nehmen, mal zuzuhören … Und Lebenserfahrung zu sammeln.

9. Es sind Eltern. Es geht um die Söhne dieser Menschen. Da ist der eine emotionaler, der andere kann das ein bisschen sachlicher angehen. … Ich habe immer versucht, mich in die Eltern hineinzuversetzen.

10. Ich denke schon, ich war immer höflich und respektvoll. Klar gemacht – meine Tür ist auf. Aber auch klar gemacht – ich bin nicht 24/7 erreichbar. Wenn wir was zu besprechen haben, dann machen wir das auch gerne, dann aber mit Termin … Und nicht auf dem Trainingsplatz im November bei 3 Grad und Nieselregen …

Willst Du drei Tipps von Anton und mir erhalten und diese direkt umsetzen, damit Du klar und kompetent im Gespräch mit Deinem Spieler*in und den Eltern bist? Dann höre Dir die Podcast-Episode an. Viel Spaß!

Ich freue mich, wenn Du den Artikel und die Folge mit Trainerkollegen*innen und Menschen aus dem Kinder- und Jugendfußball teilst.

PS. Möchtest Du mehr über mich erfahren? Dann schau hier vorbei.