Wenn Eltern beim Fußball pöbeln
[…] Zur Zeit macht es mir keinen Spaß mehr am Spielfeldrand zu stehen, weil ich es oft nicht mehr fassen kann, was da abgeht: von der Seitenlinie wird permanent mit Zwischenrufen ins Spiel eingegriffen – für Trainer normal, die ihre Spieler dirigieren… Aber wenn alle Zuschauer „Abseits“ oder „Foul“ in einem Ton brüllen, dass der Schiri vor Schreck pfeift, ständig von der Seite die richtigen Disziplinarmaßnahmen reinkommentiert werden, die Gegner beschimpft usw., dann ist das ziemlich heftig. Und ich hab das Gefühl, dass es zunimmt. […]
Das ist die Reaktion einer Mutter auf meinen Artikel „Was Eltern vom Fußball erwarten“, letzte Woche im Blog von planet.training veröffentlicht. Irgendwie juckt es mir in den Fingern mich dem Thema noch mal zu widmen.
Er berichtet neben den positiven Gründen seines Trainer-Daseins u.a. auch vom Verhalten der „Problemeltern“.
Irgendwie ist der rüde Umgang neben dem Fußballfeld ein Dauerbrenner geworden…
- Fan-Regel
Eltern und alle Zuschauer stehen ca. 15 m vom Spielfeld entfernt, um Einmischen und Reinrufe zu verhindern. - Trainer-Regel
Die Trainer beider Mannschaften befinden sich in einer Coaching-Zone, von der sie aus sachlich und einvernehmlich ins Spielgeschehen eingreifen, falls es nötig ist. - Schiedsrichter-Regel
In der F- und E-Jugend wird ohne Schiedsrichter gespielt und die Spieler entscheiden selbst über Foul, Ecke, Handspiel oder Einwurf.
Aber was ist mit den Eltern?
Die sind ja schon lange den Kinderschuhen entschlüpft. In der Pädagogik heißt es, dass die Grundlagen bis zu einem Alter von 10/12 Jahren gelegt sein sollten. Danach geht es nur noch ums Feinjustieren.
Was bedeutet das für den 45-jährigen Banker, der sich auf dem Platz wie ein Berserker aufführt? Oder die Mutter, die im Spiel zur Furie wird? Bei denen ist der Zug längst abgefahren.
Miteinander reden hilft in den wenigsten Fällen. Gerne kommen dann Argumente, dass man es ja nicht so meint, Fußball nun mal ein emotionaler Sport sei und Einsicht zeigt. Bis zum nächsten Spiel… Und wir wundern uns, wenn Jugendspieler sich auf dem Platz nicht „adäquat“ verhalten.
Im Fußball allgemein herrscht ein rüdes Verhalten. Fair Play hin oder her. Aber muss das auch für den Jugendfußball gelten? Dürfen Emotionen soweit gehen, dass ich mich meinem Gegenüber respektlos, verachtend, verletzend und grenzüberschreitend verhalte?
Ich sage eindeutig: NEIN!
Den Eltern, die sich jetzt vielleicht angesprochen fühlen, rate ich, sich mal in die Position ihres Kindes zu versetzen, das sie gerade zur Schnecke machen. Oder in den Gegenspieler, den sie verbal beschimpfen. Oder in den Trainer, dem sie sagen, dass er eine Flachpfeife ist und keine Ahnung hat.
Wie fühlt sich das an? Ich schätze mal nicht angenehm. Würden sie so einen Umgangston an ihrem Arbeitsplatz tolerieren? Ich vermute mal nicht.
Ich schreibe oft über Respekt, Toleranz und Wertschätzung. Für mich Tugenden, die die Grundlagen für ein gutes Miteinander sind. Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob das jeder so sieht.
Den pöbelnden Eltern am Spielfeldrand kann es schon helfen, wenn sie mit ihren Mitmenschen so umgehen, wie sie gerne selbst behandelt werden möchten. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand gerne runtergemacht, angebrüllt oder verhöhnt werden möchte.
Dass das nun nicht die Lösung ist, ist mir schon bewusst. Wäre ja zu schön, wenn es so einfach wäre. Es kann aber ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Denn jeder hat es selbst in der Hand…
Letztendlich sind die Spieler die Leidtragenden. Sie wollen spielen, sich dem Wettbewerb stellen und vor allem Spaß haben. Was mit schreienden und peinlichen Eltern echt schwer ist.
Was meint Ihr dazu? Wie sind Eure Erfahrungen?
P.S. … und da, wo es Schiedsrichter gibt, also ab D aufwärts, sollte grundsätzlich die Regel gelten:
der Schiedsrichter ist eine Respektsperson, seine Entscheidungen gelten. Das ist sein Job, dafür gibt es ihn.
Hallo Angelika,
absolut! Stimme Dir zu….
Vielen Dank. Dieser Artikel und Blog sprechen mir aus der Seele!
Das freut mich sehr… Danke Dir!
Ich bin selber Mutter zweier fußballspielender Söhne und vollkommen überzeugt vom Gedanken der FPL. Mit jedem Meter Abstand zwischen mir und der Seitenlinie sinkt mein Blutdruck. Mit Abstand ist dementsprechend nicht nur räumlicher sondern auch emotionaler Abstand gemeint.
Mit etwas Abstand lässt sich das Ganze viel ruhiger beobachten.
Und aus Kindersicht sind diese 15 m der Unterschied, ob ich höre dass was gebrüllt wird oder ob ich höre, was gebrüllt wird. Ein signifikanter Unterschied.
Beim letzten Heimturnier der Bambinis bin ich unentwegt mit einem Ordnerleibchen durch die Reihen gegangen und habe überengagierte Eltern vom Platz geholt. Ihnen erläutern, dass sie die Kinder in Ruhe spielen lassen sollen. Dass sie in dem Moment wo sie ihren Namen hören abgelenkt sind.
Vom Platz geflogen sind sie alle (zurück in die Fanzone) aber das Brüllen aufgehört haben sie deshalb noch lange nicht. Vielmehr wurden mir Sprüche gedrückt wie „Stadionatmosphäre!“ oder „Wat willst du denn?“
Na ja, einige wissen halt nicht, dass Stil eben nicht ein Teil des Besens ist. Mir tun die Kinder leid.
In der Bambinigruppe meines Jüngsten jedenfalls gabs ne Unterweisung der Trainer an die Eltern, wo wir über das gewünschte und unerwünschte Verhalten an der Seitenlinie aufgeklärt wurden und bis auf eine Familie sich auch alle daran halten. Manchmal schnattern wir Mütter so sehr, dass wir uns beim Abpfiff kurz fragen wie es eigentlich steht und dann ganz erstaunt sind, wenn die Kinder vom Platz kommen und sagen: 4:2