Wieso haben 14-jährige Spieler*innen schon einen Berater?

Berater sind nicht nur im Profifußball ein beständiges Thema, sondern auch im Jugendfußball. Seit Jahren werden die Spieler, um die sich Spielervermittler kümmern, immer jünger.

Berater tummeln sich überall auf den diversen Fußballplätzen, nicht nur in Nachwuchsleistungszentren. Die Kontaktaufnahme findet über die verschiedenen Wege statt: direkte Ansprache am Platz, Visitenkarten verteilen, Kontaktaufnahmen über Social Media, Anrufe auf dem Handy der Kinder oder bei den Eltern. Eher seltener ist der Weg über den Verein bzw. Jugendleiter*in.

Dass sich im Rahmen der Entwicklung des Kinder- und Jugendfußballs in Deutschland auch dieser Bereich verändert ist verständlich. Dass es unter den seriösen Beratern auch die „schwarzen Schafe“ gibt, bleibt wie auch in anderen Berufssparten nicht aus.

Ich glaube, dass es Sinn macht, sich die Situation genauer anzuschauen. Denn über ein Problem zu schweigen bedeutet nicht, dass es sich von alleine löst …

Ich habe mir das Thema mal aus meiner Perspektive angeschaut, was nicht bedeutet, dass es noch weitere Gründe gibt, über die es zu reden lohnt.

1. Der Fußball ist ein Wirtschaftsunternehmen

Wir wissen alle, dass im und mit dem Fußball viel Geld verdient wird. Jeder möchte davon profitieren. Das kann auf legalem Wege geschehen, kann aber auch schon mal „Auswüchse“ beim Mitbieten um einen Nachwuchsspieler haben. Regeln, Bestimmungen werden über Bord geworfen, horrende Summen aufgerufen und gezahlt, Verträge aufgesetzt, in denen Eltern Jobs vermittelt werden, damit auch schon die Jüngsten an den Verein gebunden werden können, etc.

Denn nichts ist für einen Verein schlimmer, als später sagen zu müssen, dass man ein „Talent“ nicht halten konnte oder ziehen lassen musste und ein großer finanzieller Verlust entsteht.

2. Einige Eltern wollen vom Sport ihres Kindes profitieren

Dass auch Eltern die Dollarzeichen in den Augen haben, ist ungeachtet. Vor allem wenn der Sohn erfolgreich ist, sich mehrere Vereine um ihn bemühen, ihm ein großes „Talent“ bescheinigt und damit verbunden bereits die Karriere in schillernden Farben gezeichnet wird.

Dann wird neben (oder statt) der fußballerischen Ausbildung auch (oder mehr) auf den Verdienst geachtet.

Oftmals erhält dann der Berater den Vorzug, der dieses Bedürfnis befriedigt, und nicht der, der mehr auf Ausbildung und Spielzeit setzt. Ohne vorschnell urteilen zu wollen, lohnt hier die Frage, wieso Eltern diesen Weg wählen. Denn in den wenigsten Fällen haben Spieler*innen hier viel Mitspracherecht.

3. Berater können helfen, sich im Fußball-Dschungel zurechtzufinden

Der Jugendfußball in Deutschland orientiert sich in seiner Ausbildung, seinen Anforderungen an Spieler, Leistung und Werdegang stark an den Profis. Viele sprechen ja auch von der Blaupause. Und das nicht erst ab Nachwuchsleistungszentrum.

Da ist es wenig verwunderlich, dass er sich auch bei Vereinswechsel, Laufbahnplanung, Verdienst, etc. am Profibereich anpasst. Viele Eltern kennen sich in diesem Metier nicht – gut – aus. Gerade, wenn Spieler älter sind, in einem NLZ oder einem leistungsstarken Verein spielen, können sie sich schnell hilflos und überfordert fühlen. Dann kann ein Berater schon hilfreich sein, um zu unterstützen und zu beraten.

4. Berater haben leichtes Spiel

Unwissenheit, Überforderung bei Eltern ist m. E. ein ganz wichtiger Aspekt, über den ich immer wieder mit Jugendleitern und Trainern diskutiere. Wenn ich mich alleine fühle, nicht weiß, wie ich mit unbekannten Situationen umgehen soll, Sorgen habe, dass ich die richtige Entscheidung für mein Kind treffe, auf Fragen keine Antworten finde, vertraue ich mich eher jemandem an, der mein Bedürfnis nach Information, Sicherheit und Geborgenheit stillt. Eine „gute“ Ausgangsposition für einen Berater …

Hat er ein „offenes Ohr“ kann er als Zuhörer schnell zu einem Vertrauten werden. Auch wenn sein eigentliches Ziel vielleicht ein anderes ist als das der Eltern.

5. Vereine sollten offen mit dem Thema Berater umgehen

Ich kann mich noch an Momente erinnern, in denen unser Sohn von Beratern über Facebook angeschrieben wurde und sie ihn mit kuriosen Versprechungen umgarnt haben. Joshua hatte zwar keinen klassischen Berater, sondern eher einen Mentor, der ihn während der Zeit in den NLZs betreut hat, sodass wir auf solche Kontaktaufnahmen erst gar nicht reagiert haben. Dennoch weiß ich, dass es Eltern gibt, die nicht wissen, wie sie mit so etwa umgehen sollen. Oder die schon mit dem Traumschloss auf Wolke 7 schweben …

Den richtigen Umgang mit Beratern können Vereine vermitteln. Und offen mit dem Thema umgehen. Beispielsweise ab U12/13 informieren, dass sich Berater/Scouts melden können/werden, woran man einen vertrauensvollen Spielervermittler erkennt (u. a. Referenzen, Büroadresse, Homepage, weitere Spieler, Konzept), wie der Umgang innerhalb des Vereins ist, an wen sich Eltern wenden können, wenn jemand an sie herantritt. Diese Form von Aufklärung kann dazu beitragen, dass sich einige Spieler und ihre Familien nicht in unerwünschte Situationen und Abhängigkeiten bringen.

Denn aufgeklärte Eltern verfallen nicht so schnell unseriösen Beratern und wissen, worauf sie achten sollten.

Was es auch Trainern und Vereinen in der Zusammenarbeit leichter macht.

Wie ist das im Mädchenfußball? Schreibt mir an info@ins-netz-gegangen.info oder hinterlasst mir einen Kommentar.