Wie Du trotz social distancing Gemeinschaftsgefühl in Dein Fußballtraining bringst

In diesem Artikel findest Du ein paar Impulse und Anreize, die es Dir zusammen mit Deinen Spieler*innen erlauben, trotz Distanz und diverser Vorgaben ein bisschen Nähe in den Kinder- und Jugendfußball zu bringen.

Nachdem in einigen Bundesländern das Kinder- und Jugendtraining wieder begonnen hat, will ich wissen, wie das Eltern und Trainer*innen empfinden. Dazu habe ich letzte Woche eine Umfrage durchgeführt, die sich an Eltern richtete.

Die Frage lautete, ob sie froh sind, dass ihr Kind wieder trainiert oder sich eher Sorgen machen.

77 % sind froh, dass das Training wieder stattfindet, 23 % sind eher besorgt aufgrund von COVID-19.

Seit gestern läuft die Umfrage der Trainer*innen. Darin stelle ich die Frage, ob das Training im Kinder- und Jugendbereich unter den Einschränkungen gut umsetzbar ist oder eher schwierig. Bisher haben knapp 100 Teilnehmer*innen abgestimmt. Davon können 2/3 das Training gut umsetzen, 1/3 finden es eher schwierig.

Auch wenn die meisten positiv auf den Trainingsstart schauen, sind die Maßnahmen, denen sie unterliegen, nicht einfach – für die Spieler*in wie auch für Trainer*in. Abstand, Kleingruppen, keinen Körperkontakt, geschlossene Kabinen, kein Duschen nach dem Training (ist ja bekanntlich mehr als nur aus Hygienegründen), kein Abklatschen, Umarmen, etc. Für Erwachsene intellektuell noch nachvollziehbar, für Kinder – je nach Alter – nicht immer verständlich.

Auch wenn es heißt, das Fußballtraining geht wieder los, erkennen sie nun, dass es nicht das ist, was sie gewohnt sind.

Da sind Enttäuschungen und beständiges Nachfragen, wann denn endlich „richtig“ gespielt wird, vorprogrammiert.

In den letzten Wochen zeigt sich, wie stark der Fußball neben dem sportlichen Aspekt auch sozial geprägt ist. Die im Kinder- und Jugendfußball erlernten sozialen Kompetenzen zielen auf Gemeinsamkeit, Zusammengehörigkeit und Nähe ab. Etwas, was aktuell durch social distancing eingeschränkt ist und fehlt. Vor allem vielen Kindern und Jugendlichen.

Wie kannst Du als Trainer*in mit Deinen Spieler*innen ein bisschen Gemeinsamkeit im Training herstellen?

Ich möchte Dir ein paar Impulse geben, die Dir individuell helfen können, ein wenig Normalität – wenn auch andere – zu entwickeln. Beginnen möchte ich mit meinem Lieblingsthema Kommunikation.

1. Kommunikation ist wichtiger denn je!

Durch den mangelnden Körperkontakt wird die Kommunikation umso wichtiger. Kommunikation sind nicht nur Worte (verbal), sondern auch unsere Mimik und Gestik (nonverbal). Gerade jetzt ist es hilfreich, sich dem bewusst zu sein, auf Deine Wortwahl zu achten, Deine Körpersprache zu überprüfen und emphatisch und wertschätzend Deinem Gegenüber zu begegnen.

Denn die neuen und ungewohnten Momente machen uns empfindlicher, dünnhäutiger, sensibler.

Wir wünschen uns alle generell – und jetzt ganz besonders – einen wohlwollenden Umgang miteinander. Mach den Anfang …

Da die Trainingssituation für Deine Spieler*innen neu ist, nimm ihnen die Unsicherheit, indem Du …

  • ihnen erklärst, dass der Fußball, wie sie ihn bisher kennen, erst mal nicht mehr stattfinden wird.
  • sie ausreichend darüber informierst, wie ihr in nächster Zeit trainieren werdet.
  • nachfragst, ob sie Fragen haben, es Unklarheiten gibt.
  • den Eltern Deiner Spieler*innen ebenfalls Infos zur Umsetzung des Trainings mitteilst, damit auch sie wissen, wie ihr Kind trainiert, um Fragen, Gedanken mit ihrem Kind teilen zu können.
  • dazu ein Infoblatt erstellst, einen Elternabend als Videokonferenz gestaltest (wenn wir etwas Positives aus der Corona-Zeit mitnehmen, ist es die Flexibilität virtueller Zusammenkünfte), über die WhatsApp-Gruppe informierst, etc.

2. Neue Rituale entwickeln!

Ein Trainer berichtet, dass lieb gewonnene Rituale vor, während und nach dem Training derzeit wegfallen. Gerade der Sport ist stark ritualisiert. Dass einiges nun so nicht mehr gelebt werden kann, wie bisher ist eine weitere Veränderung, die sich der Kinder- und Jugendfußball und seine Teilnehmer stellen müssen. Das kann den ein oder anderen verunsichern.

  • Überlege mit Deiner Mannschaft, welche Rituale Euch besonders wichtig sind.
  • Schau, welche bisherigen Rituale Du mit den Spieler*innen anders gestalten kannst.
  • Kann der Handschlag zur Begrüßung durch eine Handbewegung auf Distanz erfolgen?
  • Entwickelt gemeinsam Ideen, was Euch guttut und Spaß macht. Damit stärkst Du Eurer Gemeinschaftsgefühl und Du gibst ihnen gleichzeitig das Gefühl, aktiv zu sein. Bedenke, dass viele Entscheidungen derzeit über die Köpfe der Kinder und Jugendliche hinweg getroffen werden.

3. Das Training ist einfach anders!

Spiele, Turniere, Ligen werden vorerst nicht stattfinden. Bestehende Vorgaben erschweren das bisherige Training.

Es ist alles anders als vor Corona und es wird auch für eine lange Zeit vermutlich anders bleiben.

Vielleicht gelingt es Dir, zusammen mit Deinem Team neben der fußballerischen Ausbildung den sozialen Charakter des Sports mehr in den Fokus zu stellen, bis entschieden ist, wann und wie es endgültig weitergeht.

Vielleicht magst Du Deine Spieler*innen in die Trainingsplanung mit einbinden. Kann das Aufwärmen abwechselnd von jemand anderem gestaltet werden? Darf im Kindertraining jeder mal seinen Lieblingstrick vorführen, den dann alle nachmachen?

Damit gibst Du ihnen Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit und stärkst Eure Zusammengehörigkeit.

Wie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft stehst Du als Trainer*in vor der Herausforderung, das Beste unter den gegebenen Umständen für Dich und Dein Team zu gestalten. Ich wage mal die These, ob dieses Innehalten, der Stillstand vielleicht ein bisschen dazu betragen wird, sich den Kinder- und Jugendfußball genauer anzuschauen, denn gerade Letzterer ist in der Vergangenheit immer mehr zur Dublette des Profibereiches geworden …

Welchen Impuls nimmst Du für Deinen veränderten Trainingsalltag mit? Verrate es mir gerne im Kommentar.

 

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