Eltern helfen eher, wenn sie den Mehrwert für ihr eigenes Kind erkennen

Ich habe letzte Woche ein Gespräch mit unserer Tochter geführt, wie wichtig es ihr ist, dass ihre Arbeit sinnstiftend ist. dass sie weiß, warum sie bestimmte Dinge macht, was sie mit ihrer Arbeit erreichen kann, aber auch dafür wertgeschätzt wird. Dabei fühlte ich mich sehr an mein Gespräch mit Lykka Maibaum erinnert, die auch betonte, dass Ehrenamtliche nicht wegen ihrer Aufgabe im Verein bleiben, sondern weil sie sich wohlfühlen, weil sie Spaß und Leidenschaft mit ihrem Engagement verbinden, Anerkennung für ihr Tun erhalten und Gestaltungsspielraum bekommen. 

Etwas, was sich auch auf die Elternarbeit übertragen lässt. Denn im Kinder- und Jugendfußball sprechen wir oft darüber, wie wir Eltern besser einbinden können. Doch viele Maßnahmen greifen zu kurz. Warum? Weil wir häufig vergessen, den entscheidenden Punkt klarzumachen: den Sinn.

Denn anders als Trainer*innen arbeiten Eltern nicht wegen Geld oder Karriere im Verein mit. Wenn sie sich engagieren, dann freiwillig. Und freiwilliges Engagement braucht vor allem eines: Bedeutung.

In diesem Blogartikel zeige ich dir, warum Sinnstiftung der wichtigste Hebel in deiner Elternarbeit ist und wie du ihn konkret nutzen kannst.

Willst du lieber hören statt lesen? Dann findest du hier die dazugehörige Podcast-Episode:

Was bedeutet Sinnstiftung eigentlich?

Sinnstiftung bedeutet, dass Menschen verstehen und spüren: Das, was ich tue, hat einen Wert.

Für mein Kind, vielleicht erkennen sie ihn auch für andere, die Mannschaft, das Trainerteam oder den Verein. Aber vor allem auch für mich selbst. Denn durch mein Engagement erlebe ich ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, das die Basis für Zufriedenheit ist. Vielleicht handle ich auch im Einklang mit meinen Werten, die ich in die Arbeit einbinden kann. Auf jeden Fall erhalte ich durch mein Ehrenamt neue Perspektiven, ich tauche in mir unbekannte Welten ein, mache neue, andere Erfahrungen. Alles Dinge, die mich verändern und wachsen lassen. 

Gerade im Ehrenamt ist das der zentrale Antrieb.

Wenn Eltern erkennen, welchen Unterschied ihr Beitrag macht, entsteht Motivation fast von selbst.

Wenn dieser Sinn jedoch unklar bleibt, wirken selbst kleine Aufgaben schnell wie zusätzliche Belastung im Alltag. In einer Welt, in der viele Menschen glauben, keine Zeit zu haben, will niemand noch mehr machen und sich eben nicht engagieren.  Dabei haben viele viel mehr Zeit als früher, aber die Vereine konkurrieren – anders als vor 10 Jahren – mit Social Media, Computerspielen oder Videoportalen. 

 

So kannst du Eltern motivieren

Der entscheidende Punkt: Eltern denken zuerst an ihr eigenes Kind

Das bedeutet für deine Elternarbeit mal die Perspektive zu wechseln.

Denn Eltern engagieren sich selten, weil sie „dem Verein helfen wollen“. Sie engagieren sich, weil sie das Beste für ihr eigenes Kind wollen.

Das ist kein Egoismus, sondern völlig normal, weil sie sich mit ihrem Kind auf der Beziehungsebene befinden.

Das bedeutet für dich:

Der stärkste Hebel ist nicht das große Ganze, sondern die Verbindung zum eigenen Kind.

Denn wenn Eltern verstehen …

„Mein Engagement verbessert die Erfahrung meines Kindes“

„Mein Kind profitiert direkt davon“

„Ich kann konkret etwas für mein Kind tun“

… dann entsteht Motivation.  Daher gelingt vielen der Zugang ins Ehrenamt über das Individuum, über ihr Kind und nicht über Aufgaben, die die Mannschaft oder den Verein unterstützen. 

 

Warum Eltern oft zögern

Viele Eltern haben mit Vereinsstrukturen wenig Berührung. Fußball ist für sie oft eine unbekannte Welt, in der sie sich nicht oder nur sehr wenig auskennen.

Das führt dazu, dass sie sich fragen:

  • Warum soll ich mich hier einbringen?
  • Was bringt das überhaupt?
  • Ist das wirklich notwendig?

Wenn du diese Fragen nicht beantwortest, bleibt der Nutzen abstrakt und unverständlich. Etwas, das ich nicht verstehe, überzeugt mich nicht. Daher ist die Erklärung, das Warum und der Gewinn die Triebfeder für Eltern sich zu engagieren. 

 

Vom Helfen zum Mehrwert fürs eigene Kind

Ein klassisches Beispiel:

Du suchst Eltern, die beim Training mit aufbauen.

Du kannst sagen „Wir brauchen Hilfe beim Aufbau.“ oder fragen, „Wer hilft beim Aufbau?“. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Eltern freiwillig melden, ist eher gering bzw. es sind vermutlich die immer gleichen, die sich eh engagieren.

Wenn du jedoch erklärst „Wenn ihr uns beim Aufbau unterstützt, haben die Kinder mehr Trainingszeit, mehr Ballkontakte und dadurch mehr Spaß und können sich weiter entwickeln. Auch dein Kind.“ werden sich auch Eltern angesprochen fühlen, die du bisher nicht oder nur schwer erreicht hast.

Der Unterschied ist entscheidend, denn plötzlich wird vielen Eltern klar: Ich tue das nicht nur für den Verein, sondern ich tue das für mein Kind. Und genau das ist für viele Eltern der eigentliche Motor.

 

3 Impulse, wie du Sinn sichtbar machst (und Eltern erreichst)

1. Verbinde jede Aufgabe mit dem Nutzen fürs Kind

Stelle dir bei jeder Aufgabe die Frage:

„Was hat das konkret mit dem Kind der Eltern zu tun?“

Formuliere es dann auch genau so:

  • Mehr Unterstützung = bessere Trainingsqualität und mehr Trainingszeit für dein Kind & die Mannschaft
  • Fahrdienst = dein Kind kann regelmäßig spielen, weil auch andere Kinder beim Training sind
  • Organisation = weniger Chaos, mehr Fokus auf deine eigentliche Arbeit, das Training und die Kinder

Je direkter der Bezug und je stärker sich Eltern emotional angesprochen fühlen, desto größer ist die Wirkung.

2. Starte beim Individuum und erweitere dann aufs Team

Hole Eltern zuerst bei ihrem eigenen Kind ab:

„Dein Kind profitiert davon, weil …“ und erweitere dann auf „… und gleichzeitig profitieren alle Kinder davon.“

So entsteht Schritt für Schritt ein Verständnis für das große Ganze, auch wenn der Einstieg persönlich ist.

 

3. Mach Entwicklung sichtbar

Eltern wollen sehen, was ihr Tun bewirkt und ihr Kind davon hat, wie es sich z.B. weiterentwickelt.

Diese beiden Bedürfnisse kannst du erfolgreich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement verbinden, wenn du … 

  • Fortschritte aufzeigst
  • Trainingsziele erklärst
  • ihre Unterstützung wertschätzt

Ein Beispiel …

Durch eure Unterstützung kann ich mich mehr aufs Training fokussieren und wir können intensiver trainieren. Das hilft deinem Kind, sicherer am Ball zu werden und im Spiel mehr Lösungen zu finden. Genau das passiert auch bei den anderen Spieler*innen, so dass wir die Trainingsqualität für die gesamte Mannschaft verbessern konnten.

Das ist greifbar, auch für die, die nicht so viel Ahnung vom Fußball haben. Aber genau das überzeugt, weil sie es verstehen.

 

Was sich verändert, wenn Eltern den Sinn erkennen

Wenn Eltern verstehen, dass ihr Engagement ihrem eigenen Kind zugute kommt, passiert etwas Entscheidendes, denn …

  • sie übernehmen eher Verantwortung
  • sie bringen sich aktiver ein
  • sie sehen Aufgaben nicht mehr als Belastung
  • sie unterstützen dich bewusster

Und oft entsteht daraus erst im zweiten Schritt auch das Verständnis für das Team und den Verein.

Hilfreich ist zusätzlich , wenn du Aufgaben an Eltern in Teams oder kleinen Arbeitsgruppen vergibst, so dass sie sich die Arbeit teilen können, der Zeitfaktor überschaubar ist und die Verantwortung auf mehreren Schultern liegt. 

 

Mein  Fazit

Elternarbeit wird oft über Organisation gesteuert und es wird in Aufgaben gedacht. Das Warum und der Gewinn sowie der Sinn für Eltern wird meist vernachlässigt. Eltern fühlen sich darüber oft nicht angesprochen und abgeholt. Wenn du es schaffst, den Eltern diesen Zusammenhang klarzumachen mit „Das, was du hier tust, hilft deinem Kind“, dann hast du den wichtigsten Hebel gesetzt.

Denn genau dort liegt für viele Eltern der größte Antrieb.

Und wenn dieser erste Schritt gelingt, entsteht daraus häufig etwas Größeres: Engagement für das Team, für die Mannschaft und für den Verein.

Wie motivierst du Eltern für eine ehrenamtliche Aufgabe? 

Wenn du magst, schreib mir dazu gerne eine Mail, würde mich freuen.